Lärmschutzwand

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Koordinaten Lärmschutzwand

Fluglärm, Straßenlärm, Schienenlärm, Gewerbelärm, Sportlärm – Lärm kann in vielen Situationen als Belastung erfahren werden und sogar krank machen. Definiert als lästig empfundener Schall, liegt Lärm zwischen 65 und 90 Dezibel (dB).[1

Zum Vergleich: Bei 0 dB beginnt die Hörschwelle, 40 Dezibel beträgt die Lautstärke einer leisen Unterhaltung und bereits bei 60 Dezibel, etwa der Lautstärke einer lauten Unterhaltung, beginnt die Stressgrenze. Schon bei Lärm von 65 dB (A) besteht eine erhöhte Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt. Bei einer Lautstärke von 190 Dezibel (A) können sogar innere Verletzungen und Hautverbrennungen entstehen.[2]

Info! Das A, welches in Klammern hinter Dezibel (dB) geschrieben ist, steht bei der technischen Messung für einen Filter, der die anatomischen Eigenschaften des menschlichen Ohres nachempfinden soll. So kann die Lautstärke für den Menschen besser gemessen werden.

Doch nicht nur die Lautstärke ist bei störenden Geräuschen schädlich. Kontinuierlicher, langanhaltender Lärm oder auch kurze, unangenehme Signale können dem Körper schaden und den Menschen stressen. Bei hohen Schallstärken ist zum Schutz von Mensch und Tier ein Lärmschutz erforderlich. Viele Bauarbeiter tragen deshalb einen Gehörschutz, um ihre Ohren vor lauten Geräuschen zu schützen. Da hier die Ohren vor dem Eindringen des Lärms geschützt werden, wird dieser Schutz "passiver Lärmschutz" genannt. Da bei großen Lärmquellen, zum Beispiel an Bahnhöfen oder an Fabriken in Stadtnähe, nicht jeder Passant oder Anwohner einen Gehörschutz tragen kann, kann der Lärm mit Lärmschutzwänden bzw. -wällen abgedämpft werden. Diese Maßnahmen, bei der einer Ausbreitung des Lärms entgegengewirkt wird, sind Teil des "aktiven Lärmschutzes". Oft besteht der Schutz aus bepflanzten Erdwällen oder aus Wänden aus Beton, Metall, Steinwolle und Kunststoff.

Im Jahr 2007 wurden allein im Bereich der Deutschen Bahn insgesamt 35 km Schallschutzwände errichtet. (Schallschutz: Lärmsanierung weiter auf konstant hohem Niveau. In: DB Welt, Ausgabe März 2008, S.10) Häufig werden auch Bäume, Sträucher und Hecken zur Schalldämmung gepflanzt. Hier sind jedoch viele, dicht gepflanzte, hohe Pflanzen nötig, die weitaus mehr Raum benötigen als Lärmschutzwände und oft nicht so effektiv sind.

 

Gesetzliche Regelungen

Das Bundesimmissionsschutzgesetz beinhaltet für verschiedene Gebiete verschiedene Lärmschutzvorschriften, Durchführungsverordnungen und technische Anleitungen zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm). Zulässig sind demnach in Gebieten mit vielen gewerblichen Anlagen 65 dB (A) und in reinen Wohngebieten 50 dB (A), nachts 35 dB (A). Bei den Landesämtern für Umweltschutz kann zur Überprüfung der Geräuschimmissionen ein Schallmessgerät ausgeliehen werden.

 

Material und Standort einer Lärmschutzwand

 Besonders wichtig im Aufbau einer Lärmschutzwand sind Dämmschutzplatten, zum Beispiel aus Steinwolle, die den Lärm aufnehmen und möglichst nicht oder nur leise wieder abgeben. Doch auch Faktoren wie Brandschutz, Wasserresistenz, Atmungsmöglichkeiten, Druckbelastbarkeit und Stabilität des Materials sind für die Haltbarkeit und Funktion des Lärmschutzes überaus wichtig.[3]

Da Lärmschutzwände einen so genannten Schallschatten werfen, ist die Abschirmwirkung nicht nur vom Material, sondern hauptsächlich auch von der Höhe des Schutzes abhängig. Entscheidend ist auch die Nähe des Walls zur Lärmquelle[4] (siehe Abbildung 1)

Schutz durch eine Lärmschutzwand

Abbildung 1: Schutz durch eine Lärmschutzwand

 

Ökologischer Lärmschutz und seine Vorteile

 Für Lärmschutzwände können auch nachwachsende Rohstoffe verwendet werden, was aus ökologischer Sicht wesentlich mehr Sinn macht. Ein gutes Beispiel dafür ist das patentierte Lärmschutzsystem Reetus®.

Der Rahmen der einzelnen Elemente besteht dabei aus hochdruckkesselimprägniertem Holz, etwa aus nordischer Kiefer oder Fichte. Dieser Holzrahmen wird beidseitig mit Reet (Schilfrohr) bedeckt. Reet gehört zu der Familie der Süßgräser und wächst in jährlichen Zyklen. Zum Herbst hin sterben die oberirdischen Triebe ab und können im Winter geerntet werden (vorsichtig, damit das Ökosystem nicht geschädigt wird). Das Reet wird gebündelt und getrocknet, dann zugeschnitten und nochmals gebündelt.

Die maximale Höhe solcher Lärmschutzwände aus nachwachsenden Rohstoffen beträgt acht Meter, die maximale Lebensdauer einer Reet-Wand beträgt ca. 90 Jahre. Neben der vergleichsweise hohen Haltbarkeit weist eine Lärmschutzwand aus nachwachsenden Rohstoffen viele weitere Vorteile auf.

  • Kohlenstoffdioxid-Speicher: Durch die Verwendung von Reet und Holz wird ein langfristiger Speicher für Kohlenstoffdioxid geschaffen, denn die Pflanzen erhalten ihre Körpermasse durch Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Wasser. Sauerstoff wird produziert und die Luftqualität verbessert.
  • Recycling: Reet ist zu 100% recyclingfähig.
  • Speicherung von Regenwasser: Das System speichert Regenwasser und trägt damit zur Verbesserung des Mikroklimas in der Bebauung bei.
  • Lebensräume: Eine Begrünung der Lärmschutzwand mit Rank- oder Schlingpflanzen ist wegen der porösen Oberfläche problemlos möglich. Dadurch werden optimale Lebensräume für Kleintiere geschaffen und gleichzeitig Kohlenstoffdioxid gebunden.
  • Biologischer Feuerschutz: Die Reet-Wände werden nach dem Aufstellen mit feuerhemmendem Latex beschichtet. Dieser Latex ist rein biologisch und nicht toxisch. Reet-Wände sind dadurch äußerst schwer entflammbar.
  • Landschaftsbild: Im Vergleich zu einer Lärmschutzwand aus Beton oder Metall sieht eine Reetdachwand natürlich und unaufdringlich aus. Wird sie mit Pflanzen begrünt, kann sie eine schöne Abwechslung für das Auge bedeuten.

 

Die Umsetzung: Reet-Lärmschutzwand am Bahnhof Vechta

Viele Bahnhöfe und Bahnschienen sind von Lärmschutzwänden umgeben um die Anwohner, Bahnfahrer und Passanten vor Schienenlärm und Bahnsignalen zu schützen. In Vechta besteht solch ein Schutz noch nicht. Das laute Hupen der NordWestBahn an unbeschrankten Bahnübergängen im Kreis ist für viele Bewohner in der Nähe der Bahnstrecke vermutlich sehr unangenehm.

Schülerinnen und Schüler der Lutgerusschule in Vechta haben zusammen mit der Dachdeckerei Büssing eine ökologische Lösung konstruiert. "Zwei neun Quadratmeter große Elemente der aus Reet, Holz und Metall gefertigten Wände wurden jetzt am Vechtaer Bahnhof aufgestellt."

Der Bau der Wände dauerte etwa von August 2009 bis Januar 2010.

Schauen Sie sich die Lärmschutzwände an, sie sind unter folgenden Geokoordinaten zu finden:

N  52°43.678'
E 008°16,867'

Reet-Lärmschutzwand am Vechtaer Bahnhof

Abbildung 2: Reet-Lärmschutzwand am Vechtaer Bahnhof

 

Einzelnachweise:

  1. http://www.laermschutzsystem.de/pages/de/allgemeines-ueber-laerm.php
  2. http://www.elektronik-kompendium.de/sites/grd/0304011.htm
  3. http://www.laermschutzsystem.de/pages/de/links-zum-thema-laermschutz.php
  4. http://www.perr-holzzaun.de/laermschutz-laermschutzwand-hochabsorbierend.html

 

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