Boden-Entsiegelung

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Koordinaten Entsiegelung

Bei der Bodenversiegelung werden durch den Menschen offene Böden durch bauliche Anlagen, Verkehrsflächen und zur Freiflächengestaltung abgedichtet. Die undurchlässigen Substanzen Beton und Asphalt überdecken den Boden und unterbinden dadurch wichtige Austauschvorgänge zwischen Erdreich und Atmosphäre (siehe Abbildung 1), das Regenwasser kann nicht mehr in den Boden abfließen.

In Deutschland werden täglich 133 Hektar Boden, meist landwirtschaftliche Flächen, durch Überbauung zerstört.[1]

Versiegelte Flächen

Abbildung 1: Wirkung versiegelter Flächen auf die Umwelt (nach: Niedersächsisches Landesamt für Ökologie 2003, S.31)

Als eine Ursache der zunehmenden Bodenversiegelung gilt die Siedlungstätigkeit der Menschen. Die großen Städte werden durch Neubaugebiete weiter vergrößert, es werden neue Gebäude und Parkplätze gebaut und Straßen angelegt. Allein schon durch übermäßiges Befahren des Bodens kann sich die Oberfläche verdichten. Unterirdische Baukörper wie Tiefgaragen, Tunnel oder die Kanalisation wirken sich ebenfalls als Unterflurversiegelungen negativ auf die Umwelt aus.

 

Boden lebt!

Der Boden ist Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Als abiotischer, unbelebter Faktor kann der Boden zum Beispiel durch seine Körnung und seine Struktur Staub filtrieren und Wasser speichern. Boden enthält jedoch auch kleinste Lebewesen und Nährstoffe, die erst eine Versorgung von Pflanzen mit lebenswichtigen Mineralien möglich machen. Tiere brauchen diese Pflanzen zum Überleben. Wenn Lebewesen absterben, werden sie im Boden durch Bakterien (Destruenten) zersetzt, wobei verschiedene Mineralsalze entstehen bzw. freigesetzt werden. So ist für die Nährstoffzufuhr der Pflanzen gesorgt und das abgestorbene organische Material wird „gewinnbringend entsorgt“. Bei diesen Vorgängen entsteht Kohlenstoff, das von den Menschen oft in Form von Torf und Kohle abgebaut wird, um Energie zu gewinnen. Neben der Bebauung von Bodenflächen mit Sportplätzen, Fabriken, Flughäfen und Autobahnen, wird der Boden von den Menschen leider auch als Müllabladeplatz benutzt. Hier spielen außer der Verdichtung auch Gifte, die in den Boden gelangen, und Material, welches nicht abgebaut werden kann, eine Rolle.

 

Die Folgen der Versiegelung

Auch wenn Skater, Radfahrer und auch viele weitere Verkehrsmittel-in-Anspruch-Nehmer große Fans von Versiegelten Flächen sind, haben diese jedoch auch eine große Fülle von Nachteilen.

  • Wasserhaushalt: Eine Versickerung und Verdunstung von Niederschlägen wird unterbunden. Hierdurch sammelt sich das Wasser bei starken Regenfällen an. Durch die Menge und Geschwindigkeit des Oberflächenabflusses kann es zu Hochwasser kommen. Die verminderte Wasserversickerung kann den Grundwasserspiegel zum Sinken bringen, das ist zum Beispiel ungünstig für größere Städte wie Hamburg, die ihr Trinkwasser größtenteils aus dem Grundwasser gewinnen. Durch vermehrten Abfluss in die Kanalisation und zu geringer Kapazitäten, droht ein Überlaufen.
  • Stadtklima: Niederschläge werden rasch im Kanalsystem abgeführt, anstatt im Boden zu versickern und über die Pflanzendecke zu verdunsten. Wegen der geringen Verdunstung sind die Luftschichten über den versiegelten Flächen trockener und wärmer. Bei großflächig versiegelten Böden ist die Luftqualität erheblich beeinträchtigt, da keine Pflanzen vorhanden sind, die Schadstoff- und Staubpartikel aus der Luft binden und CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen können.
  • Flora und Fauna: Durch die Versiegelung geht der Lebensraum von Tieren und Pflanzen größtenteils verloren. Den Pflanzen stehen oft nur kleine Restflächen zur Verfügung, die Artenvielfalt ist stark reduziert. Über diese offen gelassenen Flächen gelangt nicht ausreichend Niederschlag in den Boden, die Bodenbakterien werden nicht genügend mit Wasser und Sauerstoff versorgt und können den Boden nicht optimal für das Pflanzenwachstum aufbereiten. Insbesondere das Wachstum der Bäume und Sträucher ist gehemmt.

Neben den oben erwähnten naturwissenschaftlichen Folgen der Versiegelung, hat diese auch erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlergehen des Menschen. Grüne Flächen sorgen für gute Luftqualität, ihr natürliches Erscheinungsbild ist neben städtischen Fassaden eine gesunde Abwechslung für das Auge und die Psyche des Betrachters. Des Weiteren können sich Anwohner und Besucher in stadtnahen Parkanlagen erholen.[2]

 

Ausgleich von Bodenversiegelung

Gesetze: Das Berliner Naturschutzgesetz beinhaltet unter anderem auch eine „Verordnung über Geldleistungen zum Ausgleich von Bodenversiegelung und Vegetationsverlust (Bodenversiegelungsausgleichsverordnung)“. In dieser Verordnung ist festgelegt, dass zum Ausgleich von Bodenversiegelung und Vegetationsverlust Geldleistungen erhoben werden müssen. Wird eine bisher unbebaute Fläche ab 30 m² versiegelt, so muss der Zuständige zum Ausgleich für diese Beeinträchtigung des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes einen Sockelbetrag bezahlen. Je nach Versiegelungsfläche wird dieser Grundbetrag höher. Werden die Geldleistungen nicht bezahlt, sollten stattdessen innerhalb der nächsten zwei Jahre Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen stattfinden. Solche Maßnahmen sind definiert als naturnahe Gestaltung des Restes des Grundstückes durch Anlage von Wiesen und Bepflanzung mit standorttypischen Wildstauden und Gehölzen. Auch eine teilweise Begrünung von Wand-, Mauer- oder Dachflächen bewahrt die Bauherren vor der Zahlung und bietet Pflanzen und Tieren neue Lebensräume.[3]

Minimierung der Versiegelung: Am besten ist es jedoch, möglichst wenig Fläche zu versiegeln, versiegelte Flächen wieder aufzubrechen oder sie durch durchlässigen Bodenbelag zu ersetzen.

 

Bodenentsiegelung als sinnvolle ökologische Maßnahme

Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Geschwister-Scholl-Schule in Vechta haben der Bodenversiegelung entgegengewirkt, indem sie an manchen Stellen auf dem Schulhof den Bodenbelag ausgetauscht haben. Anstelle von dichten Pflastersteinen sind nun unter anderem Religionssymbole wie Halbmond, Davidstern und Kreuz aus Rasengittersteinen gelegt, zu sehen (siehe Abbildung 2).

Das Projekt zum Thema Entsiegelung mit dem Ergebnis des Austauschs der Vollpflastersteine erfolgte im Zeitraum August 2009 bis Juni 2010. Unterstützung fanden die Schülerinnen und Schüler von Diephaus Betonwerk GmbH aus Vechta, dem Ingenieurbüro Frilling GmbH aus Vechta und der Firma Reck & Söhne GmbH, Vechta.

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Abbildung 2: Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in Vechta tauschen Bodenbeläge auf dem Schulhof aus

Durch die neuen Rasengittersteine kann nun Wasser versickern und Gras durch die Löcher hindurchwachsen (siehe Abbildung 3). Der Boden ist dadurch trotzdem sehr belastbar und kann befahren werden. Weitere Vorteile sind die leichte Verlegung und ihre Witterungsbeständigkeit.

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Abbildung 3: Vergleich von Pflastersteinen: durch das Rasengitter (rechts) kann Gras wachsen und Wasser versickern

Entsiegelung auf dem Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule

Abbildung 3: Rasengittersteine auf dem Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule

Besuchen Sie den Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule und sehen Sie selbst!

Geokoordinaten:

N  52°43.205'
E 008°17.486'

 

Einzelnachweise:

  1. http://www.boden.uni-bonn.de/bilder/bodenversiegelung/view
  2. http://www.christian-steck.de/bodenversiegelung.htm
  3. http://www.logibau.de/Gesetze/be/bodversvo/g-be-bodversvo.pdf