Trockenmauer

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Koordinaten Trockenmauer

Wie die Bezeichnung „Trockenmauer“ vielleicht schon vermuten lässt, wird bei dieser Mauerart kein Mörtel oder Beton zum Verkleben der Steine verwendet. Oft werden die Fugen und das Innere des Bauwerks mit Erde und kleinem Steinmaterial gefüllt. Bei den verwendeten Steinen handelt es sich entweder um behauene Mauersteine oder um gebrochene Natursteine aus dem Steinbruch[1], doch auch Bauschutt und alte Ziegel können verwendet werden.[2]

Die größten Steine liegen unten

Abbildung 1 (rechts): Die größten Steine liegen unten

Trockenmauern werden zur Abgrenzung von Grundstücken, als Sicht- und Windschutz, Böschungsschutz oder auch zur Stützung von Wegen gebaut. Um eine möglichst hohe Stabilität der Mauer zu gewährleisten, werden diese oft an Hänge gebaut. Steht sie frei auf einem Grundstück, sollte sie nicht höher als 1,2 m sein. Ab einer Höhe von 2 Metern muss ein gesetzlich vorgeschriebener Standsicherheitsnachweis erbracht werden. Die Breite beträgt mindestens 40 cm.[3] Ein Beton-Fundament besitzt eine solche Mauer nicht, so kann sich das Baumaterial an die Bodenbeschaffenheit anpassen und es entstehen keine Probleme durch Setzungen des Untergrundes oder thermische Setzungsschwankungen. Die größten Steine befinden sich unten in der Mauer (siehe Abbildung 1), kleinere werden waagerecht und möglichst passend aufeinander geschichtet, sodass keine Kreuzfugen entstehen.

Idealerweise werden Trockenmauern in Ost-West-Richtung gebaut, damit eine Sonnen- und eine Schattenseite Bedingungen für verschiedene Arten bieten können.[4]

 

Die Trockenmauer als praktischer Naturschutz oder als kostspielige Hangbefestigung

Neben der ursprünglichen Funktion einer Mauer als Grenzwall hat die Trockenmauer idealerweise zahlreiche weitere Vorteile.

Abbildung 2: Die Fugen zwischen den Steinen bieten Platz für Tier und Pflanze

Die Fugen zwischen den Steinen bieten Platz für Tier und Pflanze Lebensraum: In den warmen, trockenen, kleinen Mauernischen fühlen sich Eidechsen, Kröten, Mäuse und Blindschleichen sehr wohl, auch Wildbienen und Hummeln finden hier eine Bleibe.[5] Soll die Mauer nicht der Vegetationswillkür der Pflanzenbesiedlung erliegen (siehe Abbildung 2),  kann sie mit verschiedenen Arten bepflanzt werden. Hier wird darauf geachtet, dass die Pflanzen nicht zu dicht stehen, um den Tieren genügend Raum zu lassen. Trockenliebende Arten wie der Mauerpfeffer, die Hauswurz, Steinbrech und Gänsekresse sind hier neben vielen weiteren Gewächsen gut aufgehoben.[6] Sind Sonnen- bzw. Schattenseiten vorhanden, können sich entsprechende sonnenliebende Arten wie Steintäschel und Pfingst- und Geröllnelke ansiedeln. Auf der Schattenseite eignen sich unter anderem Mauerraute, Waldbeere und verschiedene Farne.

Böschungsschutz: Trockenmauern unterstützen in steilen Anbaugebieten und an Böschungen wirkungsvoll den Bodenschutz. Sie verhindern, dass rasch fließendes Wasser den Boden abträgt. Der Niederschlag versickert langsam im Bodenraum hinter der Trockenmauer. Gerade an Böschungen tritt bei einer nicht verfugten Trockenmauer das Wasser bei Wassersättigung des Bodens langsam durch die Fugen aus, ohne einen starken Druck auf die Mauer selbst auszuüben.

Ästhetik: Je nach Geschmack, Funktion und Ressourcen kann eine Trockenmauer sehr vielfältig gestaltet werden. Wird sie mit etwa gleichgroßem regelmäßigen Schichtmauerwerk gebaut, passt sie in einen gepflegten Ziergarten, unregelmäßigere Steine und eine fantasievolle Bauweise sehen in wilden Naturgärten klasse aus.

Wärmespeicher im ökologischen Anbau: Trockenmauern werden beispielsweise häufig im ökologischen Weinbau in Weinbergen an besonders steilen Hangabschnitten errichtet. "Lesesteine" werden zu Mauern verkantet und heizen sich tagsüber durch Sonneneinstrahlung auf. Diese gespeicherte Wärme strahlt abends ab, weshalb sich die Weinberge weniger stark abkühlen. Wegen der ökologischen Wärmespeicherung finden sich gerade in Weinbergen seltene, wärmeliebende Tiere und Pflanzen.

Funktion: Besteht eventuell kein Bedarf an einem Grenzwall oder an einem Erosionsschutz durch eine Mauer, kann die Trockenmauer-Bauweise auch auf vielfältige andere Weise eingesetzt werden. Ob als Sitzbank, Einfassung für Beete oder als Treppe zur Gartenterrasse sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Sehr beliebt sind so genannte Kräuterspiralen, die für verschiedenste Arten passende Lebensräume bieten können.

Preis und Fleiß: Werden die Steine günstig aus einem in der Nähe gelegenen Steinbruch erworben, soll die Mauer nicht allzu hoch werden und sind ein paar Kenntnisse und HelferInnen vorhanden, kann der Preis sehr niedrig gehalten werden und der Bau der Mauer macht Spaß und geht schnell. Eine höhere Mauer mit größeren Ansprüchen seitens des Besitzers kann aufgrund von hochwertigerem Steinmaterial und einer eventuellen fachkundigen Person aus einem Fachbetrieb teurer werden. Auch die spätere Bepflanzung kann entgeltlich von Fachpersonal durchgeführt werden.

 

Die Trockenmauer am Landkeis Vechta (Kreishaus)

 

N  52°43.999'
E 008°17.759

Die Trockenmauer hinter dem Landkeis Vechta (Kreishaus) wurde von Schülerinnen und Schülern der Adolf-Kolping-Schule Lohne im Mai 2010 errichtet. Die Mauer besteht aus Ibbenbürener Sandstein.

An der Station der Trockenmauer sind noch zwei weitere Grundstückbegrenzungen zu sehen: eine geschnittene Weißdornhecke und ein Metall-Zaunelement (siehe Abbildung 3). Im Vergleich zum Metallzaun bietet die Grünhecke einen Lebensraum für zahlreiche Tiere und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz.

Trockenmauer aus Sandstein, dahinter Weißdornhecke

Abbildung 3: Trockenmauer aus Sandstein, dahinter Weißdornhecke

 

Einzelnachweise:

  1. http://www.derkleinegarten.de/archiv_trockenmauer_bruchsteinmauern_beton.htm
  2. http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/zurueck/oekotipps/artikel/trockenmauern-lebensraum-fuer-tiere-und-pflanzen
  3. http://www.frischer-windt.de/trockenmauer.htm
  4. http://www.nabu-gleisweiler.de/Trockenmauer.htm
  5. http://www.mein-schoener-garten.de/de/gartenpraxis/ziergarten/bauanleitung-fuer-eine-trockenmauer-55298
  6. http://www.hausgarten.net/gartenformen/steingarten/trockenmauer-bauen.html

 

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